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Selbstmanagement

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Am 1. Juli 2021 habe ich beschlossen, für ein Jahr jeden Tag mindestens 10’000 Schritte zu machen. Motiviert dazu hat mich die kleine Zahl in meiner Fitness-Armband App, die mir meinen persönlichen ‹Streak› angezeigt hat: ‹5 Tage am Stück, besser als 4% aller User›. Mich packte dadurch irgendwie der Ehrgeiz, im Minimum besser als 50% zu sein , also habe ich diese Challenge begonnen. Nun ist der 30. Juni 2022 und ausser 3 Krankheitstagen habe ich es geschafft, an den übrigen 362 Tage mindestens 10’000 Schritte zu machen.

Auslöser dazu war also eine kleine Prozentzahl. Genau diese Zahl hätte mich aber im Herbst fast wieder dazu gebracht, abzubrechen. Aufgrund eines Synchronisationsfehlers wurde mein ‹Streak› von ca. 110 Tagen am Stück wieder zu 0. Aufgeben? Nein. Es war der Punkt, an dem ich beschloss, dass meine Motivation keine Zahl und kein Vergleich mit meinen Mitmenschen sein darf. Auch nicht der Hintergedanke, dass ich diese Grafik als ‹Beweis› irgendwann auf Social Media poste und mich dann sicher alle bewundern. Auslöser für den Entscheid war, das ich spürte, wie mir diese Gewohnheit physisch und mental gut tut und so habe ich den Entschluss getroffen, weiterzumachen. Dies hat bedeutet Disziplin zu zeigen, auch in aussergewöhnlichen Situationen. Einige Erfahrungen daraus:

  • Beim Warten auf den Zug blieb ich nicht wie jeder normale Mensch auf dem Perron stehen, sondern lief auf und ab von Sektor A nach F und zurück. Wohl manch Wartender oder Sicherheitsbeamter hat gestutzt, als er mein Verhalten beobachtet hat.
  • Nach einem Home Office Tag und einer Sitzung im Dorf war es fast 23:00 und mir fehlten noch 3’000 Schritte. Anstatt meinen Kollegen ins Restaurant zu folgen, habe ich mich verabschiedet und bin mit einem Bundesordner in der Hand mit klammen Fingern in der Kälte noch 30 Minuten Laufen gegangen.
  • Auf dem Höhepunkt einer Party im Geschäft, auch ca. 23:00, realisierte ich, dass ich im Stehen beim Smalltalk die 10’000 Schritte nicht mehr schaffe. Ich habe mich für 20 Minuten ausgeklinkt und bin spazieren gegangen.

Warum konnte ich die Disziplin aufbringen dazu? Es war die Gewohnheit. Sie war bereits nach einigen Wochen so stark, dass es mir jeweils schwerer gefallen ist, aufzugeben als die Extrameile zu gehen. Gute Gewohnheiten sind wie schlechte Gewohnheiten: sie lassen sich schlecht abgewöhnen!

Mit der Zeit habe ich mir angewöhnt, die Schritte über den Tag zu verteilen. Meinen Sohn zur Schule begleiten, den Garten zu giessen, auf die PET Sammelstelle gehen usw. Es ist viel einfacher zehn mal 1’000 Schritte zu machen, als mich zu überwinden zwei mal zeitintensiv 5’000 Schritte einzuplanen. Ein Vorgehen, dass mir auch den Projektalltag erleichtert: Bei Projektbeginn erscheint das geplante Unterfangen meist als riesig, nicht fassbar, dadurch als unmöglich und angsteinflössend. Beginne ich dann aber schrittweise und teile das Projekt in Phasen, Sprints, User Stories etc., auf, komme ich in Teilschritten zum Erfolg und gewinne Übersicht.

Nach den vergangenen 365 Tagen ist die Euphorie, es geschafft zu haben inexistent. Kein Wunder: Es ist ja eine Gewohnheit geworden und deshalb nichts Besonderes mehr. Die Realität ist nun eher: Es gibt noch viel mehr Bereiche in meinem Leben, in denen ich eigentlich dieselbe Disziplin aufweisen sollte, um schlechte durch gute Gewohnheiten zu ersetzen. Es macht mir Mut zu wissen, dass es funktionieren kann und doch bin ich unsicher, ob mir das erneut gelingt.

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